DURUFLÉ, MARTIN UND JANÁČEK


Leoš Janáček (1854-1928)
Otche Nash für Solo Tenor, gemischten Chor, Harfe und Orgel (1906)

Frank Martin (1890-1974)
Messe für zwei vierstimmige Chöre a cappella (1922)

Maurice Duruflé (1902-1986)
Requiem op. 9 für Solisten (Mezzo, Bariton), gemischten Chor, Harfe und Orgel (1947)

Termine

Sa11.1.2020 — 19.30 Uhr

Immanuelskirche Wuppertal

Ticket

So12.1.2020 — 16 Uhr

Liebfrauenkirche Bottrop

Ticket

Das Hauptwerk dieses geistlichen Konzertabends mit dem CHORWERK RUHR ist Maurice Duruflés 1947 komponiertes Requiem op. 9. Der 1986 verstorbene Normanne Duruflé ist im Gegensatz zu Olivier Messiaen der musikalischen Tradition in der geistlichen Musik verpflichtet. Als Orgelvirtuose und Komponist gilt er als legitimer Fortsetzer der großen Pariser Orgelschule und steht als Komponist in der Nachfolge Gabriel Faurés. Anders als Fauré bezieht sich Duruflé in seinem Requiem jedoch auf die Gregorianischen Choräle der Liturgie der Totenmesse und baut sie in vokalen aber auch instrumentalen Cantus-Firmus-Passagen in sein Werk ein. Auffallend ist das Fehlen der dramatischen Sequenz des „Dies Irae“. Nicht nur deshalb scheint die Bezeichnung „ ‚Wiegenlied’ des Todes“, die für Faurés Requiem geprägt wurde, gleichermaßen auch für Duruflés Totenmesse zuzutreffen.

Das Religiöse war eine Grundkonstante im Leben des frankophonen Schweizers Frank Martin, der 1975 verstarb und in einem calvinistischen Genfer Pfarrhaus aufwuchs. Dieser bedeutende Einzelgänger der Moderne komponierte seine „Messe für Doppelchor a cappella“ 1922. Gut 40 Jahre blieb sie unter Verschluss und wurde erst 1963 uraufgeführt. Martin, dem großen Bach-Verehrer, schien sein Werk zu unbedeutend, ästhetisch nicht opportun und eigentlich nur eine „Angelegenheit zwischen Gott und mir“ zu sein. Eigenwillig ist diese Messvertonung besonders im „Gloria“ und „Sanctus“, die leise einsetzen und ohne festlichen Aufwand auskommen. Prägend ist die Einschränkung der harmonischen Mittel. Archaisch wirken die weitgehend kirchentonalen, ja sogar auch rein pentatonischen Partien dieser vor allem syllabischen Messvertonung.

Leoš Janáčeks nur selten aufgeführtes tschechisches „Vater Unser“ (Otče náš) für vierstimmigen gemischten Chor, Solo-Tenor und Klavier entstand im Mai 1901 nach fünf Bildvorlagen des polnischen Malers Józef Męcina-Krzesz. Janáčeks humanistisch-sozialkritischer Impuls findet hier erstmals Anwendung auch auf seine geistliche Musik. Der zweite Satz bezieht sich so zum Beispiel auf das Bild („Die Familie bei einem verstorbenen Kind“) und beleuchtet derart den Gebetsvers „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ auf ganz menschliche Art und Weise. Zunächst als Szenenmusik zu lebenden Bildern konzipiert, stellte Janáček 1906 eine Kantaten-Fassung her, in der statt einer Klavier-Fassung nun Harfe und Orgel begleitend hinzutreten, während die Melodik, oft kleine repetierende Motive, den Singstimmen übertragen wird. Diese Fassung erklingt in in den Konzerten in Wuppertal und Bottrop.

Tenor: KIERAN CARRELL
Harfe: EVE MERET HAUG
Orgel: PETER KOFLER
CHORWERK RUHR
Dirigent: FLORIAN HELGATH