SCHÜTZ EXEQUIEN


Heinrich Schütz (1585-1672)
Musikalische Exequien SWV 279 – 281

Nikolaus Brass (*1949)
Earth Diver VOICES (2016)

Heinrich Schütz
An den Wassern zu Babel SWV 37

Martin Wistinghausen (*1979)
aus Bedrängte Zeit, vergeh! (2022)
Drei Stücke für Chor, Theorbe, Violone und Orgel
1. Des KRIEGes Buchstaben
2. Der Schluss des 1648sten Jahres

Heinrich Schütz
Verleih uns Frieden genädiglich SWV 372

Martin Wistinghausen
aus Bedrängte Zeit, vergeh! (2022)
Drei Stücke für Chor, Theorbe, Violone und Orgel
3. Vergänglichkeit der Schönheit

Heinrich Schütz
Selig sind die Toten SWV 391

 

Termine

Sa30.7.2022 — 19:30 Uhr

Basilika St. Martin, Bingen

Ticket

Bereits zur Ruhrtriennale 2016 war das CHORWERK RUHR unter der Leitung von Florian Helgath an einem Projekt beteiligt, das unter dem Namen „Earth Diver“ Trauermusiken von Heinrich Schütz mit der modernen Klangsprache des 1949 geborenen bayerischen Komponisten Nikolaus Brass in Beziehung setzte. Nun erfolgt unter dem Titel „Erhöre mich“, eine quasi noch „reinere“ Begegnung beider Komponisten.

Heinrich Schütz gilt als die Galionsfigur protestantischer Kirchenmusik schlechthin. Seine  Musik geht ganz im Sinne barocker „Klangrede“ von der Diktion der Sprache aus, sie ist ein „Reden in Tönen“. „Diese Musik“, so Nikolaus Brass bereits 2016, „leuchtet für mich in jeder Phase, sie ist so klar, rein und konzentriert, ohne irgendeine Attitüde.“ Brass’ zentrales Anliegen in seinen Neukompositionen ist es, die Sicherheiten dieser Musik, die abhanden gekommen sind, nicht in Frage zu stellen, aber sie zu befragen.

Im Mittelpunkt des Abends stehen Heinrich Schütz’ „Musikalische Exequien“, die von der Vokalmusik von Nikolaus Brass mit „Voices I und II“ gerahmt werden. Schütz komponierte seine dreiteilige deutschsprachige Trauermusik zum Begräbnis des Fürsten Heinrich Posthumus von Reuss-Gera am 4. Februar 1636. Alle Details seiner eigenen Beerdigung hatte der Fürst rechtzeitig festgelegt. Auf dessen kupfernem Sarg finden sich bereits diejenigen Texte eingelassen, die Schütz übernahm. Den ersten Teil prägen so Texte des Alten und Neuen Testaments, die Schütz in der modernen Form des geistlichen Konzertes vertont und sie mit chorisch gesungenen Kirchenliedtexten abwechseln lässt.

Der zweite Teil der Exequien besteht aus der achtstimmigen doppelchörigen Mottete „Herr, wenn ich nur dich habe“. Den abschließenden dritten Teil bildet dann eine besondere Raum-Klangkunst. Der von einem fünfstimmigen Chor gesungene Lobgesang des Simeon wird kontrastiert von zwei Sopranen, die als Seraphime fungieren und einer Baritonstimme, die die „beata anima“, die „erlöste Seele“ darstellt. Sie sind als Fernchor platziert. Ihre abschließenden Worte „Sie (die Toten) sind in der Hand des Herren, und keine Qual rühret sie“, bilden für Nikolaus Brass den existenziellen Kern des Werkes. In seiner Musik hat er diese Passage als einzige zitiert, „weil ich mich davor verneigen möchte, aber auch vor unserem Nicht-mehr-Wissen, ob es so etwas gibt.“

Auf seine ganz eigene Weise fügen sich drei Uraufführungen des 1979 geborenen Komponisten Martin Wistinghausen in das Programm und nehmen mit weltlichen Gedichten des Barock Bezug zur Existenzthematik des Todes und der Lebenswelt eines Heinrich Schütz inmitten beziehungsweise nach Ende des 30jährigen Krieges. Wistinghausen, selbst ausgebildeter Sänger (Bass), aber auch Germanist und Historiker thematisiert in Friedrich von Logaus „Des Krieges Buchstaben“ zunächst anklagend die Kriegsgräuel selbst. In Andreas Gryphius‘ Gedicht „Der Schluss des 1648sten Jahres“ äußert sich dann der Ausblick auf bessere Friedenszeiten („Es ist genug geschlagen“), während in „Vergänglichkeit der Schönheit“ von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau der klassische Vanitas-Gedanke des Barock seinen Ausdruck findet. Für die Aufführung im Jahr 2022 entstand zunächst eine reduzierte „Kammerfassung“ für Stimmen und Basso continuo (Orgel, Theorbe und Violone), der im Jahr 2023 eine instrumental erweiterte Fassung für das Ensemble Capella del la Torre folgen soll.

Theorbe: VANESSA HEINISCH
Violone: FRAUKE HESS
Orgel: PETER KOFLER
CHORWERK RUHR
Dirigent: FLORIAN HELGATH

Partner

Im Rahmen des RheinVokal Festivals am Mittelrhein