ERHÖRE MICH


Heinrich Schütz (1585-1672)
Erhöre mich wenn ich rufe – SWV 289
Herr nun lässest du Deinen Diener in Frieden fahren SWV 432

Nikolaus Brass (*1949)
VOICES I

Heinrich Schütz (1585-1672)
Musikalische Exequien SWV 279-281

Nikolaus Brass (*1949)
VOICES II

Heinrich Schütz (1585-1672)
Die mit Tränen säen SWV 378
Selig sind die Toten SWV 391

Termine

Do20.6.2019 — 20.30 Uhr

Propsteikirche Dortmund

Bereits zur Ruhrtriennale 2016 war das CHORWERK RUHR unter der Leitung von Florian Helgath an einem Projekt beteiligt, das unter dem Namen „Earth Diver“ Trauermusiken von Heinrich Schütz mit der modernen Klangsprache des 1949 geborenen bayerischen Komponisten Nikolaus Brass in Beziehung setzte. Nun erfolgt unter dem Titel „Erhöre mich“, eine quasi noch „reinere“ Begegnung  beider Komponisten.

Heinrich Schütz gilt als die Galionsfigur protestantischer Kirchenmusik schlechthin. Seine  Musik geht ganz im Sinne barocker „Klangrede“ von der Diktion der Sprache aus, sie ist ein „Reden in Tönen“. „Diese Musik“, so Nikolaus Brass bereits 2016, „leuchtet für mich in jeder Phase, sie ist so klar, rein und konzentriert, ohne irgendeine Attitüde.“ Brass’ zentrales Anliegen in seinen Neukompositionen ist es, die Sicherheiten dieser Musik, die abhanden gekommen sind, nicht in Frage zu stellen, aber sie zu befragen.

Im Mittelpunkt des Abends stehen Heinrich Schütz’ „Musikalische Exequien“, die von der Vokalmusik Nikolaus Brass’ einerseits mit „Voices I und II“ gerahmt, andererseits mit  vier „Modulen“, so der Titel, durchsetzt werden. Schütz komponierte seine dreiteilige deutschsprachige Trauermusik zum Begräbnis des Fürsten Heinrich Posthumus von Reuss-Gera am 4. Februar 1636. Alle Details seiner eigenen Beerdigung hatte der Fürst rechtzeitig festgelegt. Auf dessen kupfernem Sarg finden sich bereits diejenigen Texte eingelassen, die Schütz übernahm. Den ersten Teil prägen so Texte des Alten und Neuen Testaments, die Schütz in der modernen Form des geistlichen Konzertes vertont und sie mit chorisch gesungenen Kirchenliedtexten abwechseln lässt.

Der zweite Teil der Exequien besteht aus der achtstimmigen doppelchörigen Mottete „Herr, wenn ich nur dich habe“. Den abschließenden dritten Teil bildet dann eine besondere Raum-Klangkunst. Der von einem fünfstimmigen Chor gesungene Lobgesang des Simeon wird kontrastiert von zwei Sopranen, die als Seraphime fungieren und einer Baritonstimme, die die „beata anima“, die „erlöste Seele“ darstellt. Sie sind als Fernchor platziert. Ihre abschließenden Worte „Sie (die Toten) sind in der Hand des Herren, und keine Qual rühret sie“, bilden für Nikolaus Brass den existenziellen Kern des Werkes. In seiner Musik hat er diese Passage als einzige zitiert, „weil ich mich davor verneigen möchte, aber auch vor unserem Nicht-mehr-Wissen, ob es so etwas gibt.“

Laute: BJÖRN COLELL
Violone: GÜNTER HOLZHAUSEN
Orgel: CHRISTOPH ANSELM NOLL
CHORWERK RUHR
Dirigent: FLORIAN HELGATH

Konzert im Rahmen des Evangelischen Kirchentages