MOZART REQUIEM


Ignaz von Seyfried (1776-1841)
Libera Me für Männerchor a cappella (1827)

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Elegischer Gesang op. 118 für Chor und Streicher

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Requiem in d-Moll, 1791 (Vervollständigung von Michael Ostrzyga, 2017/2018)

Termine

Do15.8.2019 — 20 Uhr

Kloster Eberbach

Mozarts Requiem wird von einem einzigartigen Nimbus an Legenden geführt umrankt. Trotz zahlloser Bemühungen um Aufklärung bleibt vieles nach wie vor im Ungewissen. Nicht nur Süßmayr hat direkt nach Mozarts Tod an der Komplettierung gearbeitet. Berichte von Zeitzeugen zu den Umständen sind widersprüchlich.

Im 20. Jahrhundert wurde versucht, Fragen der Autorschaft zu beantworten, Anteile Mozarts von jenen anderer Komponisten zu trennen und in diesen Zeichen von Mozarts Absichten aufzuspüren. Basierend auf derartigen Bemühungen sind neue Vervollständigungsversuche entstanden. Dennoch kann vieles, basierend auf dem Forschungsstand von heute, hinterfragt und weitergedacht werden, von anderen Seiten beleuchtet werden.

Dirigent und Komponist Michael Ostrzyga hat sich über sehr viele Jahre immer wieder mit dem Requiem auseinandergesetzt. In der sicher niemals endenden Kompositionsgeschichte des Requiems schlägt er ein neues Kapitel auf: Durch eine kritische Neuauswertung der Quellen und einer tiefgehenden Aufschlüsselung von Mozarts (Kirchen-)Stil unternimmt er den Versuch einer sich enger an Mozarts Tonsprache anlehnenden Ergänzung, die die Flugbahn des Fragmentes konsequenter nachzeichnet. Im Abgleich mit Mozarts kompositorischen Gepflogenheiten und der kirchenmusikalischen Praxis zur Zeit der Entstehung war er bestrebt, alles im Sinne Mozarts aus den anderen Handschriften zu isolieren und beizubehalten. Insofern war das Bemühen weitestmöglich mehr das einer detaillierten Rekonstruktion. Für das Lacrimosa wie auch Sanctus/Benedictus konnte einer von zwei grundsätzlich verschiedene Herangehensweisen nicht eindeutig der Vorzug gegeben werden, weshalb die Edition hier den Ausführungen beide Realisierungen in Form von Alternativsätzen als Option gibt. In der Natur der Sache liegend finden sich Elemente der als KV 626 (Mozart/Süßmayr) veröffentlichten, traditionellen Fassung wieder. Sie bleibt einer der wichtigsten Anhaltspunkte.

Ostrzygas Ergänzung folgt Grammatik und Idiomatik Mozarts und versucht, dessen wahrscheinlichsten Absichten nachzuspüren, soweit diese nach heutigem Kenntnisstand und basierend auf dem überlieferten Schaffen Mozarts rekonstruierbar sein können – im Wissen, dass dies letztlich utopisch ist. Ihm gelang eine überzeugende Vollendung, in der Dramaturgie und Architektur in für Mozart typischer Weise einen großen Bogen formen, indem etwa behutsam die Satzproportionen im Agnus Dei und Benedictus in ein stimmigeres Gleichgewicht gerückt wurden.

Ostrzyga: „Mit einer Ergänzung, die den Bedingungen von Mozarts Tonsprache folgt, wäre schon viel gewonnen. Ich wollte so wenig wie möglich Neues, schon gar nicht um des Neuen willen, hinzufügen, aber auch nicht theoretisch oder akademisch die Lücken füllen. Eine beliebige Anwendung etwa von Fugentechnik beim Amen ist zu unspezifisch und daher unwahrscheinlich für das Requiem. Die neue Fassung ist auch der Versuch, die Fragment-Vorlage in für Mozart 1791 gewissermaßen ‚fortschrittlicher‘ Weise auszuarbeiten, mit der Berücksichtigung von Süßmayrs und Eyblers Zutaten und den Leitlinien der Referenz-Werke Mozarts, die in seinen letzten Jahren in Quellen genannt werden. Darunter waren Werke Händels und Bachs, die sich Mozart gezielt als Vorbilder gesetzt hat, von großer Bedeutung. Der sich schon im Fragment zeigende Einfluss der beiden älteren Komponisten sollte in ähnlicher Weise, und damit erheblich mehr als bisher, zum Tragen kommen.“

Ein vollendetes Meisterwerk beim Rheingau Musik Festival.

Sopran: GABRIELA SCHERER
Alt: ANKE VONDUNG
Tenor: TILMAN LICHDI
Bass: TOBIAS BERNDT
CHORWERK RUHR
CONCERTO KÖLN
Dirigent: FLORIAN HELGATH

Konzert im Rahmen des Rheingau Musik Festivals